Fröhliche Grenzgänger

21.01.2014: Artikel von Edith Kresta in der TAZ vom 18.1.2014

REISELUST Ob Toskana oder Erzgebirge, nichts verbindet die Europäer so sehr wie das Reisen. Auf dem taz.lab 2014 erkunden wir Europas Wanderrouten

Meistens interessiert man sich für eine Region, ein Land, eine Gegend erst dann, wenn man dort gewesen ist und etwas damit verbindet. Reisen bindet. Auch Europäer.

Als die Europäische Wandervereinigung die „Europäischen Fernwanderwege” Ende der sechziger Jahre plante, war ihr Ziel, „nach Krieg und Zerstörung ein völkerverbindendes Netz von Weitwanderwegen durch Europa zu schaffen”. Denn man sieht nur, was man weiß – noch so ein Allgemeinplatz. Aber er stimmt.

Auf unserem Panel „Fröhliche Grenzgänger” wollen wir mit welterfahrenen Reisenden, Tramps und einer kompetenten, europaerfahrenen Topfguckerin über ihre Lust am Reisen und Europa sprechen. Nicht nur über den friedlichen Aufbruch West, sondern auch über den Aufbruch Ost.

Reisen war für DDR-BürgerInnen schwierig. Nicht nur in den Westen, auch Richtung Osten gab es Einschränkungen. Trotzdem wagten viele mit Hilfe eines Transitvisums, das nur für drei Tage galt, wochenlange und riskante Expeditionen ostwärts, in elf Zeitzonen und gigantische Landschaften. Wer sich so illegal durch Freundesland bewegte, konnte alle Absurditäten des realsozialistischen Alltags kennenlernen.

Der Verleger des Lukas Verlags, Frank Böttcher, selbst illegal ostwärts unterwegs, wird über das Reisen Ost, der Bestsellerautor, Tramp und Wanderer Andreas Altmann über seine ersten und späten Europaerfahrungen West erzählen. Warum sie so gern in die Kochtöpfe unserer europäischen Nachbarn schaut, das berichtet die Starköchin Sarah Wiener.

Und der Europaabgeordnete und Sprecher der Grünen im Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr, Michael Cramer, kennt die Tücken der europäischen Verwaltung und ihre Chancen: Er hat sich in den letzten Jahren dafür eingesetzt, dass der 160 Kilometer lange „Berliner-Mauer-Radweg” auf Europa übertragen wurde. Den über 10.000 Kilometer langen „Europa-Radweg Eiserner Vorhang” (Iron Curtain Trail) zu fördern, beschloss das EU-Parlament im Jahr 2005 mit großer Mehrheit. Er führt durch 20 Länder, 15 von ihnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union.