Partnerstädte suchen die Römer-Spur

15.04.2013: Artikel von Thomas Losil Mink erschienen in der Badischen Zeitung vom 15.4.2013 Zum Abschluss eines Erfahrungsaustauschs befreundeter Kommunen stand das Thema "Via Velo" im Mittelpunkt.

Diskussion mit Michael Cramer

LÖRRACH. Fahrradtourismus mit dem kulturellen Erbe der Römer zu verbinden – das ist eine Idee, über die Lörrach und seine Partnerstädte zurzeit nachdenken. Am Wochenende fand eine Konferenz mit Teilnehmern aus allen Partnerstädte statt, bei der darum ging, diese Idee weiterzuspinnen. Diese so genannte Via Velo ist bislang zwar kaum mehr als eine Projektskizze. Dass sie überhaupt diskutiert wird, ist ein Ergebnis eines EU-finanzierten Erfahrungstauschs unter den Partnerstädten unter der Bezeichnung "Net4Ps" zum Thema nachhaltiger Tourismus. "Wir sind darauf gekommen, dass wir uns alle für römische Geschichte und für Fahrradtourismus interessieren", beschreibt Elke Hach von der Touristinformation die Ausgangslage. Ein weiterer Umstand, der die Idee konkretisierte, ist die Existenz von bislang 15 europäischen Kulturradwegen, von denen aber noch keiner dem Thema Römer gewidmet ist. Die Partnerstädte Lörrach, Sens, Chester und Senigallia und die befreundete Stadt Edirne in der Türkei wollen nach Partnern schauen, die in das Netzwerk aufgenommen werden können und selbst etwas einbringen möchten, erklärt Elke Hach. Lörrach und die Römer – das Thema drängt sich nicht unmittelbar auf. Doch schon Caesar habe den Tüllinger Berg als einen der wichtigsten strategischen Punkte in Europa erwähnt, berichtete Thomas Hofmaier von der IG Velo, der am Freitag einen Teil der Konferenz moderierte. Und das heutige Lörrach sei ein Kreuzungspunkt, an dem sich einige wichtige Wege der Römer getroffen hätten, fügte Karin Kupka, Leiterin der Touristinformation, an. Vieles, was an römischer Gesichte vorhanden sei, müsse nur sichtbar und erlebbar gemacht werden. Die Römer seien für sehr viele Menschen von großem Interesse, sagte sie.

Das bestätigte auch David Evans aus der englischen Partnerstadt Chester. "England war für die Römer das Ende ihres Wegs, nach Irland sind sie nicht gekommen", sagte Evans. Um jedoch einen Europa-Radweg zusammenzubringen, muss man genügend Interessenten, die auf den Wegen zwischen den Partnerstädten liegen, finden, die man integrieren kann. Gegebenenfalls lassen sich auch bestehende Angebote in einen europäischen Römer-Radweg einfügen, meinte Thomas Hofmaier. Michael Cramer, Europaabgeordneter der Grünen, bestätigte, dass das beim Radweg Nummer 13, dem Iron Curtian Trail, auch den er initiiert hat, auch der Fall sei.

Cramer stellte den Iron Curtain Trail, der 9000 Kilometer lang von der Barentssee bis ans Schwarze Meer führt, als beispielhaft vor. Der Weg verläuft auf der Linie, auf der während des Kalten Kriegs der Eiserne Vorhang stand, der Europa teilte. Der Weg verläuft immer so nahe wie möglich an dieser Grenze und überquert sie mehrfach, damit der Tourist ein Gefühl dafür bekommt, dass heute möglich ist, was einst viele Menschen das Leben gekostet hat. Wachtürme, Befestigungsreste und Museen machen die Geschichte anschaulich. Daneben führt der Weg auch zu zahlreichen anderen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten. Während 60 Prozent der Infrastrukturmittel der EU in den Straßenbau fließen, werden nur 0,7 Prozent für die Belange des Radfahrens verwendet, berichtete Cramer. Das liegt auch daran, dass Städte und Gemeinde nicht genug Initiativen ergreifen und Gelder für Projekte in Sachen Radfahren beantragen. Hier könnte also ein Potential genutzt werden, um das Projekt der Lörracher Partnerstädte zu realisieren. Überregionale Wege müssen auch auf lokaler und regionaler Ebene stärker integriert werden, was mit dem Irion Curtain Trail noch stärker geschehen soll, sagte Michael Cramer.

Als eine weitere Anregung für die Lörracher Idee stellte Frank Leichsenring das Interreg-Projekt "Erlebnisraum Hochrhein" vor. Gerade in diesem Raum gibt es ein großes Potential an Landschaft, Geschichte und Kultur. Der Radtourismus ist in diesem Fall nur ein Aspekt unter mehreren. Das Projekt ist auch dazu da, die Region Hochrhein bekannt zu machen und als touristisches Ziel zu bewerben. Auch dieses Projekt könnte Anregungen für die Idee, Lörrach und seine Partnerstädte mit einem Römer-Radweg zu verbinden, liefern.