Geschichte "erfahrbar" machen

16.04.2013: Artikel von Sara Berg, erschienen in 'Die Oberbadische" "Wir können uns gar nicht vorstellen, dass es Generationen nach uns geben könnte, die nicht mehr über unser Wissen um die Vergangenheit verfügen. Es liegt in unserer Verantwortung, ihnen dieses Wissen zu vermitteln", meinte Europa-Abgeordneter Michael Cramer bei seinem Vortrag im Rahmen der dreitägigen Abschlusskonferenz "Net4Ps" am Freitag im Lörracher Burghof.

Lörrach. "Wir können uns gar nicht vorstellen, dass es Generationen nach uns geben könnte, die nicht mehr über unser Wissen um die Vergangenheit verfügen. Es liegt in unserer Verantwortung, ihnen dieses Wissen zu vermitteln", meinte Europa-Abgeordneter Michael Cramer bei seinem Vortrag im Rahmen der dreitägigen Abschlusskonferenz "Net4Ps" am Freitag im Lörracher Burghof. Sein "Europa-Radweg Eiserner Vorhang" stellt das Vorbild für das internationale Touristik-Projekt "Via Velo" Lörrachs und assoziierter Städte dar. Unter dem Motto "Auf den Spuren der Römer" soll ein transnationaler Radweg geschaffen werden, der Geschichte "erfahrbar" macht und die Städte Lörrach, Sens, Senigallia, Chester, Edirne, Split, Vailladolid und Fafe miteinander verbindet. Die Vorteile des Fahrradtourismus, der seit Jahrzehnten stetig an Bedeutung gewinnt, sind beachtlich: Velo-Fahrer geben im Urlaub mehr Geld aus als andere Touristen und kurbeln so die regionale Wirtschaft an. Zudem sind die Kosten für den Ausbau von Fahrradwegen vergleichsweise gering. Eine finnische Studie kommt sogar zu dem Schluss, dass pro in den Fahrrad-Tourismus investiertem Euro acht Euro Gewinn erzielt werden können. Für das transnationale Projekt ist es jedoch größtenteils gar nicht erforderlich, neue Radwege zu schaffen: Problemlos kann häufig auf bestehende Routen und die Erfahrungswerte ihrer jeweiligen Schirmherren zurückgegriffen werden. Frank Leichsenring, der das Interreg-Projekt "Erlebnisraum Hochrhein" betreut, hat sich durch dieses bereits einen Überblick über die regionalen Fahrradwege verschaffen können und eine bis dato einmalige Radkarte erschaffen, die über die Ländergrenze Deutschland/Schweiz hinaus reicht. "Wir verfügen hier im Hochrheingebiet über ein großes kulturelles, historisches und ökonomisches Potenzial, das es auszuschöpfen gilt", sagt er. Die Diskussionsfrage, ob für ein solch großes Projekt die Anzahl der jeweiligen Artefakte überhaupt ausreiche, ist schnell wieder vom Tisch. Das römische Kulturerbe ist schließlich gemeinsames Interesse und verbindendes Element der Partnerstädte. Dennoch müssen sich die Teilnehmer eingestehen, dass viele Spuren der Römer bereits verwischt sind, ist ihre Zeit doch längst vergangen. Zusätzlich bereitet ein weiteres Problem Kopfzerbrechen: Während das Vorbild, der "Europa-Radweg Eiserner Vorhang", sich an der ehemaligen Ost-West-Grenze Europas und damit an einer Linie auf der Landkarte orientieren konnte, breitete sich das Römische Reich in alle Richtungen aus. Leichsenrings Vorschlag lautet daher: "Vielleicht hängt die Richtung des Weges am Ende davon ab, wer ihn befährt."