Passau mit Europa verbinden

14.07.2015: Artikel von Marianne Böhm erschienen in Passauer Neue Presse am 13. Juli 2015

Nur ein Kilometer trennt Passau von Prag, wenn man die Zugverbindung betrachtet: Die nicht genutzten Teile der Ilztalbahn würden bis nach Habischried führen, nur 1000 Meter weiter in Tschechien gäbe es eine direkte Schienenstrecke in die tschechische Hauptstadt. Gäbe es, wenn jemand diesen einen Kilometer Gleis bauen würde, der den langen Umweg für Reisende unnötig machen würde.

Solche und andere Verkehrsprobleme und mögliche Lösungswege diskutierten OB Jürgen Dupper und EU-Parlamentsmitglied Michael Cramer (Bündnis 90/Die Grünen) im Kaffeewerk in der Innstadt. Die beiden Parteikollegen Dirk Wildt und Stadtrat Stephan Bauer komplettierten die Runde. Trotz entspannter Atmosphäre war das Thema ernst: Die Verkehrssituation in Passau, aber auch in anderen Regionen. Einen besonderen Stellenwert nimmt der Zugverkehr dabei ein. Wer oft per Bahn nach München reist, kennt das Problem: Da die Strecke teilweise nur eingleisig ist, müssen Züge oft eine Pause einlegen. Dupper bezeichnete diesen Zustand als „rückständig“, schließlich hemmt er unnötig den Verkehr von Personen und Gütern. Ähnlich verhalte es sich mit der A3, die endlich durchgehend saniert und sechsspurig ausgebaut werden müsse.

Cramer lag besonders das grenzübergreifende Schienennetz am Herzen. Innerhalb der Länder werde genug investiert, wobei teilweise auch EU-Fördergelder für internationale Verkehrsachsen abgeschöpft würden. Grenzüberquerende Angebote würden dagegen sogar zurückgehen. Allgemein hat die Bahn zur Zeit ein Imageproblem durch Streiks und ausfallende Klimaanlagen, wie es in den letzten Jahren öfter passierte, womit sie auch an wirtschaftlichem Rückgang litt. Es sei deshalb unklug, den Fernbussen das Feld zu überlassen, anstatt durch mehr Angebote wie Nachtzüge und Plätze für Radfahrer Kunden anzuziehen.

Aber die Bahn sei nicht allein schuld: Obwohl ein besonders umweltfreundliches Verkehrsmittel, wird sie z.B. durch Steuervergünstigungen für den Flugverkehr benachteiligt. „Wir haben eine soziale Marktwirtschaft und sollten die auch durchgängig anwenden“, meinte Cramer dazu. „Außerdem müssen wir uns allgemein darauf einstellen, dass wir, wenn wir den Klimawandel stoppen wollen, unsere Mobilität einschränken müssen. Haushalte und Industrie haben in letzter Zeit ihren Ausstoß von Treibhausgasen verringert, aber im Verkehr stiegen die Emissionen, wobei der Straßenverkehr den Großteil ausmacht.“

Die Frage ist nun, was man gegen diese Emissionen und den drohenden „Verkehrsinfarkt“ tun kann. Eine etwas unkonventionell scheinende Möglichkeit wäre der Einsatz von Cargo-Bikes, spezielle E-Bikes, die in Städten Lkws ersetzen könnten. Durch die Motorunterstützung kann ein Lastenfahrrad bis zu 200 Kilogramm transportieren und würde weniger Verkehrsprobleme verursachen. Vor allem an Stellen wie dem „Nadelöhr“ in der Innstadt sind große Fahrzeuge oft ein Hindernis. Um beim Thema Elektromobilität zu bleiben: Laut Cramer sollten vor allem Elektrobusse mehr gefördert werden, Autos gebe es bereits genug. Diese legen einerseits eine viel bedeutendere Strecke zurück als Privat-Pkws, andererseits ist das Aufladen leichter zu organisieren, da man einfach die Ladezeit in den Fahrplan mit einbeziehen müsste.

Als Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und Fremdenverkehr ist Cramer auch für den Radtourismus zuständig. Er bedauerte, dass sowohl Busse als auch Züge viel zu wenige Plätze für Radfahrer böten. Dabei seien Radfahrer eine große Chance für eine Touristenstadt wie Passau: Ein Radtourist gebe überdurchschnittlich viel Geld aus, da er anders als ein Autofahrer nur wenig transportieren kann. In diesem Zusammenhang sprach er auch den Iron Curtain Trail an, den längsten Radweg Europas. Entlang der Grenze der einstigen Warschauer-Pakt-Staaten führt er von Skandinavien bis in den Süden. 5000 Kilometer dieser vorbildlichen Kooperation von Ländern, Museen, Infozentren etc. sei er selbst schon gefahren.