EU-Radweg entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs

22.07.2014: Artikel erschienen in der 'Kleinen Zeitung' vom 21.7.2014

Ein Radweg entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs (Iron Curtain Trail) ist am Montag im Haus der EU in Wien vorgestellt worden. "Das große Problem Europas ist, dass wir uns gegenseitig zu wenig kennen, das führt zu Ressentiments. Das Projekt trägt dazu bei, dass wir uns am Ende des Tages besser kennen", äußerte sich EU-Kommissar Johannes Hahn (ÖVP) am Montag zu dem Projekt.

Präsentiert wurde der Radweg, der vom Barentsee in Norwegen bis zum Schwarzen Meer reicht, von Michael Cramer, dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments. "Das Fahrrad ist schnell genug, um viel zu sehen und langsam genug, um es sich anzuschauen", erklärte Cramer seine Motivation, das Projekt ins Leben zu rufen.

Der Weg führt durch 20 Länder. Bei der Wahl der Route spielte vor allem die Nähe zur Grenze eine wesentliche Rolle. Gleichzeitig sollte er aber gemütlich zu fahren sein, gut erschlossen, wenig durch Autos gestört werden und an möglichst vielen Gedenkstätten und Orten der Erinnerung vorbei führen, beschrieb Cramer die Auswahl-Kriterien.

Der Iron Curtain Trail, der an der Idee des Radwegs an der Berliner Mauer angelehnt ist, führt von der norwegisch-russischen Grenze am Barentsee über Russland, entlang der baltischen Staaten, nach Polen, Deutschland, Österreich, um dann entlang von Slowenien und Ungarn, Serbien und Bulgarien zum Schwarzen Meer zu gelangen. Passiert werden dabei einige alte Grenzsteine, Denkmäler wie das der Solidarnosc in Danzig und die noch stehenden Teile der Mauer in Mödlareuth in Deutschland.

Die Kosten für den Radweg seien minimal, denn die Route würde viele schon existierende und ausgeschilderte Radwege beinhalten, es müssten nur noch Aufdrucke für den Iron Curtain Trail angebracht werden, so Cramer. Die Broschüren zu dem Projekt seien sowohl im Internet als auch in gedruckter Form erhältlich.

"Das Projekt ist das Überwinden von Barrieren im Kopf, das dauert immer länger als das Niederreißen eines echten Eisernen Vorhangs", freute sich Hahn über den Radweg. Diese Barrieren dürften übrigens auch noch bei Wildtieren zu finden sein, Biologen hätten das Verhalten der Rehe am ehemaligen Eisernen Vorhang untersucht. Selbst in der dritten Generation würden die Tiere an der jeweiligen Grenze in Bayern und Böhmen kehrt machen und den imaginären Vorhang nicht übertreten, so Cramer.