Mit dem Fahrrad in Mazedonien unterwegs - für Völkerverständigung, Wirtschaftswachstum und Umweltschutz

12.04.2010: Ein Bericht von Jens Adler (GTZ RED, Mazedonien) über die Veranstaltungsreihe zum Europa-Radweg Eiserner Vorhang in Mazedonien

Das Fahrrad und seine Potenziale zur Entwicklung des alternativen Tourismus, zur Stärkung der Wirtschaftskraft und zum Schutz der Umwelt standen im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung "Iron Curtain Trail - Developing Alternative Tourism Potentials in Macedonia", die am 9. und 10. April diesen Jahres in Ostmazedonien durchgeführt wurde. Organisatoren waren die Regionalentwicklungszentren der mazedonischen Ost- und Südostregion unterstützt durch das GTZ Programm Regionale und kommunale Wirtschaftsförderung in Mazedonien (GTZ RED) und die deutsche Botschaft in Skopje.

"…Es ist ein großer Tag nicht nur fuer die Gemeinde Berovo sondern auch für die zukünftige Entwicklung der gesamten Ost- und Südostregion Mazedoniens…" konstatierten sowohl der Minister für lokale Selbstverwaltung, Musa Xhaferri als auch der Bürgermeister von Berovo, Hr. Goran Maleshevski in ihren Eröffnungsreden zum Beginn der Veranstaltung.

Mehr als 180 Teilnehmende aus Mazedonien, Bulgarien, Serbien und Deutschland - doppelt so viel wie von den Veranstaltern erwartet - kamen am ersten Veranstaltungstag zum Internationalen Symposium in Delchevo, diskutierten Konzepte und tauschten Erfahrungen aus, zur Förderung des alternativen Tourismus und speziell des Fahrradtourismus. Unter den hochrangigen Gästen waren neben dem mazedonischen Minister für lokale Selbstverwaltung und der Staatssekretärin des mazedonischen Wirtschaftsministeriums, Fr. Katerina Kostevka auch der deutsche Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Hr. Michael Cramer, der Vater und Hauptinitiator des Iron Curtain Trails (ICT) wie auch bereits des Berliner Mauerradweges. Alle mazedonischen Regierungsvertreter und auch der Europaabgeordnete Hr. Cramer sicherten ihre Unterstützung für den weiteren Ausbau des Fahrradweges in Mazedonien zu. Aber nicht nur für Mazedonien auch für die grenzüberschreitende Kooperation mit Bulgarien - durch das der Fahrradweg ebenfalls verläuft - bietet der ICT viele Chancen. So wurde am Ende der Veranstaltung eine Vereinbarung zur intensiveren Zusammenarbeit zwischen den beiden mazedonischen Regionen (Ost und Südost) und der angrenzenden bulgarischen Region Blagoevgrad von den anwesenden politischen Entscheidungsträgern unterzeichnet.

Auch am zweiten Veranstaltungstag war die Beteiligung überwältigend. Ca. 200 Fahrradtouristen, -sportler und -fans fanden sich in Berovo, einer kleinen Gemeinde im Osten Mazedoniens ein, um zum ersten Mal gemeinsam auf der zukünftigen Route des ICT durch Mazedonien zu radeln. Ganze Familien waren mit ihren Fahrrädern gekommen, um die schöne Landschaft und Natur bei bestem Frühlingswetter zu genießen und an dem größten Fahrrad-Event der Region teilzunehmen. Eine Gruppe von über 50 Aktiven von mazedonischen und serbischen Fahrradclubs, von der deutschen Botschaft in Skopje, der GTZ in Mazedonien und auch der Europaabgeordnete Michael Cramer, nahmen die Herausforderung an, die 70 km lange Strecke (1 % der Gesamtstrecke des ICT) durch Ostmazedonien von Berovo bis nach Novo Selo an der Bulgarischen Grenze zu bestreiten. Dabei mussten Sie auch mehrere Pässe von über 1100 m bewältigen, wurden aber am Ende mit einer Abfahrt in die südostmazedonische Tiefebene von Strumica belohnt. "Einfach nur grandios - diese Landschaft, v.a. die lange Abfahrt - und sofort hat man die Strapazen der Anstiege wieder vergessen…" bekräftigten viele der Hobby- und Freizeit-Radler am Ende der Tour, wo sie mit traditionellem Essen, Tanz und Gesang von der lokalen Bevölkerung begrüßt wurden.

Der Bürgermeister von Novo Selo, Hr. Petar Spasov, bezeichnete in seiner Dankesrede die Teilnehmenden als nationale Helden, die mit ihrer Initiative zur Völkerverständigung aber auch zur wirtschaftlichen Entwicklung und zum Schutz der Umwelt in der gesamten Region beitragen.

Am Ende der zweitägigen Veranstaltung bedankte sich Hr. Cramer bei allen Beteiligten und wünschte den Organisatoren beim weiteren Ausbau des ICT in Mazedonien viel Erfolg. "… Meine Vision für die Zukunft ist, das vielleicht schon in ein oder zwei Jahren der mazedonische Teil des ICT fahrradfreundlich ausgebaut und komplett beschildert ist. Dann wäre das kleine Mazedonien Vorreiter und Vorbild für das große Europa. Und dann komme ich gerne wieder, und mit mir hoffentlich viele Touristen und Fahrradbegeisterte, um mit Ihnen gemeinsam die Strecke durch ihr wunderschönes Land einzuweihen …".

Der ICT verbindet auf einer Länge von 7.000 km von der Barentsee im Norden Europas bis zum Schwarzen Meer im Süden 20 Länder und verläuft entlang der westlichen Grenze der früheren Staaten des Warschauer Paktes. Als ein Symbol der europäischen Wieder-Vereinigung wurde sein Ausbau 2005 vom Europäischen Parlament mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Auch wurde er als 13. transeuropäischer Fahrradweg in das EuroVelo-Netzwerk aufgenommen und wird von der EU finanziell gefördert. Für mehr Informationen siehe: www.ironcurtaintrail.eu.

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