Eiserner Vorhang wird zum Radweg

13.06.2014: Artikel in der Ostsee-Zeitung, erschienen am 13.6.2014

Infrastrukturminister Christian Pegel enthüllte in Greifswald ersten Wegweiser.

Greifswald - Sie sind klein, quadratisch, blau und weisen ab jetzt die Route entlang der alten Grenzlinien des Eisernen Vorhangs: Das erste dieser Hinweisschilder für Fahrradfahrer in MV enthüllte gestern Christian Pegel (SPD), Minister für Infrastruktur, in Greifswald auf der Steinbeckerbrücke. Denn in der Kurve des Hanserings sind der grenzüberschreitende Weg nach Danzig und der nach Lübeck, wo früher ein Grenzübergang war, ausgeschildert.

Der Eiserne Vorhang teilte Europa bis 1989 fast ein halbes Jahrhundert in Ost und West - von der Barentssee im Norden Russlands bis zum Schwarzen Meer. Entlang des ehemaligen Grenzstreifens entstand an der Westgrenze der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten eine 9000 Kilometer lange Fahrradroute, die europäische Geschichte Politik, Natur und Kultur „erfahrbar“ machen soll. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) unterstützt das Projekt. „Wir entwickeln Touren entlang des Eisenen Vorhangs, die politische und historische Bildungsangebote beinhalten“, sagt Gabriele Meyer, Landesgeschäftsführerin des ADFC. 15 000 Euro kostet das Projekt in MV, 75 Prozent davon finanziert die EU. Der sogenannte Iron Curtain Trail verläuft im Nordosten auf der Route des Ostseeküstenradweges, spart aber Rügen aus.

Dass wegen der neuen Beschilderung nun zahlreiche Touristen in die Hansestadt kommen, bleibt fraglich. Zum einen fehlt es an spezifischen Bildungsangeboten, zum anderen an ausgebauten Radwegverbindungen. So merkte gestern auch Stadtplaner Gerhard Imhorst kritisch an: „Von Greifswald nach Stralsund kommt man mit dem Fahrrad am besten, indem man zum Bahnhof fährt und den Zug nimmt.“