Durch Deutschland

Deutsche Ostseeküste und ehemalige innerdeutschen Grenze

Eine kleine Brücke zur Überwindung der großen Teilung - ehemalige innerdeutsche Grenze bei Mödlareuth


Der deutsche Teil vom Europa-Radweg Eiserner Vorhang integriert die Routen zweier bereits existierender Radwege: Zunächst wird der Radler auf den Spuren des Ostseeküsten-Radwegs von der deutsch-polnischen Grenze bei Swinemünde bis zur Halbinsel Priwall bei Travemünde geführt, um von dort aus dem Deutsch-Deutschen Radweg entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze bis zur tschechischen Grenze zu folgen.

Der erste Teilabschnitt entlang der Osteeküste ist vor allem aufgrund der abwechslungsreichen Küstenlandschaften und der zahlreichen historischen Seebäder und Hansestädte lohnenswert. Der Startpunkt befindet sich westlich von Swinemünde (Swinoujscie) im sehenswerten Naturpark Usedom. Von Usedom, der "Badewanne Berlins" mit traumhaften Stränden, geht es - immer in Wassernähe - über die alte Hanse- und junge Universitätsstadt Greifswald entlang des angrenzenden Boddens und des Strelasunds bis nach Stralsund.

Es folgt ein Abschnitt um die Insel Rügen mit ihren Kreidefelsen. Danach geht es weiter durch die Vorpommersche Boddenlandschaft mit ihren langgezogenen Sandstränden, verschilften Ufern und seichten Bodden. Bevor man Warnemünde erreicht, durchquert man das weitläufige Waldgebiet der Rostocker Heide und kann anschließend einen Abstecher nach Rostock machen. Anschließend schlängelt sich der Europa-Radweg Eiserner Vorhang an urwüchsigen Naturstränden und imposanten Steilküsten entlang weiter durch ein beschauliches und sanft hügeliges Bauernland, vorbei an Wismar und entlang der Mecklenburger Bucht, bis man schließlich den Küstenort Travemünde erreicht.

Hier, wo früher die Grenzen der Bundesrepublik und der DDR an der Ostsee aneinander stießen, beginnt die Fahrt entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Auf den Spuren vom Deutsch-Deutschen Radweg, der wie kein anderer Abschnitt des Europa-Radwegs von Erinnerungsstätten, Gedenksteinen und erhaltenen Grenzeinrichtungen gesäumt ist, radelt man auf kleinen Landstraßen zunächst Richtung Lübeck. Bevor man die alte Hansestadt erreicht, kann man sich im Zollhaus-Museum Lübeck-Schlutup über die Bedeutung der innerdeutschen Grenze für die Region informieren. Natürlich sollte man anschließend auch Lübeck, einer der wichtigsten Hansestädte mit ihrer zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Altstadt, einen Besuch abstatten.

Im Anschluss durchquert man den Naturpark Lauenburgische Seen und das malerisch zwischen vier Seen gelegene Ratzeburg, rollt dabei hinter Schlagsdorf ein Stück weit auf den erhaltenen Originalgrenzwegen der DDR-Grenztruppen und setzt die Fahrt anschließend entlang der Elbe fort. Dabei kommt man an Gedenkstätten für das Außenlager des KZ Neuengamme, dem vor allem aufgrund seines höchst umstrittenen Atommülllagers bekannten Gorleben und dem Grenzlandmuseum Schnackenburg vorbei. Vom mittelalterlich geprägten Salzwedel geht es anschließend über das früher von den Grenzanlagen geteilte Doppeldorf Zicherie-Böckwitz (auch "Klein-Berlin" genannt) entlang des Naturparks Drömling bis in den Raum Wolfsburg. Im weiteren Verlauf bietet sich ein Besuch der Gedenkstätte an der ehemaligen Grenzkontrollstelle Marienborn oder der 350 Meter langen originalen Grenzanlagen bei Hötensleben an, bevor man die Fahrt über den Braunkohletagebau Schöningen fortsetzt.

Weiter geht es vorbei am Naturpark Harz, wo sich ein Ausflug zum höchsten Gipfel Norddeutschlands, dem Brocken anbietet, um später die Route über Duderstadt und Heiligenstadt fortzusetzen. Am Grenzübergang Duderstadt-Worbis kann man ein Grenzmuseum besuchen. In Böseckendorf findet man das Grenzdenkmal des deutsch-amerikanischen Künstlers Roger Bischoff. Es folgt die Fahrt entlang des Ufers der Werra, fährt am Nachkriegs-Dokumentationszentrum in Wanfried vorbei und erreicht den Point Alpha. Am Point Alpha, dem westlichsten Punkt des Warschauer Paktes und dem östlichsten der NATO lagen die Camps der Streitkräfte beider Blöcke in nur 200 Meter Entfernung direkt gegenüber. Hier befindet sich eines der sehenswertesten Grenzmuseen mit Originalresten der ehemaligen Grenze. Durch das Biosphärenreservat Rhön radelt man vorbei am Friedenskreuz auf dem Dachsberg, das an die Zwangsaussiedlung der "Aktion Ungeziefer" im Jahr 1952 erinnert. Ein Stück weiter, direkt auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Bayern und Thüringen, zwischen Mellrichstadt und Meiningen, lohnt auch der spektakuläre Skulpturenpark einen kurzen Halt. Wer den ehemaligen Grenzstreifen einmal von oben betrachten möchte, kommt nahe Zimmerau auf seine Kosten. Dort steht der 38 Meter hohe Bayernturm, von dem aus man einst auf die Grenzanlagen der DDR blicken konnte. Hat man wieder festen Boden unter den Füßen, schwingt man sich gen Ummerstadt wieder auf das Rad. Ummerstadt war einst die kleinste Stadt der DDR und ist heute mit seinen Fachwerkhäusern, dem Marktplatz und dem Brunnen ein kleines Schmuckkästchen.

Vorbei am Mauermahnmal Görsdorf, der Ortschaft Kronach und der mittelalterlichen Burg Lauenstein geht es anschließend durch das thüringisch-fränkische Schiefergebirge in Richtung der tschechischen Grenze. Kurz bevor man die Grenze zu Tschechien erreicht, durchquert man noch das "geteilte Dorf" Mödlareuth ("Little Berlin"), das im Kalten Krieg von der deutsch-deutschen Grenze gespalten wurde. Zeugnisse dieser Teilung sind in Form von Beobachtungstürmen, Grenzsäulen und einem Stück Betonsperrmauer bis heute erhalten. Schließlich nähert man sich bei Prex der Grenze zur Tschechischen Republik, dem Endpunkt des deutschen Abschnitts.

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